Alle Meldungen

Zeitraum wählen:

bis

13.09.2016

Wie geht lokale Kirchenentwicklung?

Tag der Pfarrgemeinderäte befasst sich mit Zukunft der Pastoral

LIMBURG.- Lokale Kirchenentwicklung - Wie geht das? Mit diesem Thema hat sich zum Auftakt der Limburger Kreuzwoche der Tag der Pfarrgemeinderäte am Sonntag, 11. September, befasst. Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, und Prälat Dr. Günther Geis, Ständiger Beauftragter für den Synodalen Bereich, konnten dazu etwa 100 Mandatsträgerinnen und Mandatsträger aus dem gesamten Bistum im Limburger Priesterseminar begrüßen. "Sie gestalten das Gesicht und den weiteren Weg der Kirche von Limburg mit", sagte Prälat Geis und dankte den Frauen und Männern dafür, dass sie bereit waren, sich im vergangenen November zur Wahl für die Pfarrgemeinderäte zu stellen. Es stünden spannende Zeiten und herausfordernde Prozesse an, die mit Herz und Verstand, mit Glauben, Einsatzbereitschaft und der nötigen Gelassenheit anzugehen seien. Gerade in Zeiten, in denen die Bereitschaft für kontinuierliche und langfristige Mitarbeit zurückgehe, sei ein solches Engagement nicht selbstverständlich und ein wirklicher Schatz für die Diözese. 

Optimismus und Tatendrang

Ingeborg Schillai machte deutlich, dass die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger gemeinsam mit allen Gläubigen Teil der wichtigen Veränderungen und Prozesse im Bistum seien. "Als Pfarrgemeinderäte sorgen Sie dafür, dass wir uns nicht in Einzelaktionen verlieren, sondern als Gemeinschaft und Kirche verbunden bleiben. Sie sorgen zudem dafür, dass die Anliegen und Bewegungen ihrer Gemeinden, Pfarreien und Bezirke auf Bistumsebene präsent sind und bleiben", so Schillai. Begeistert berichtete sie von der Pastoralwerkstatt, die im Juni in Hofheim stattgefunden hat, und die den Auftakt zum Prozess der lokalen Kirchenentwicklung im Bistum Limburg, bildete. Die Pastoralwerkstatt habe den Optimismus und Tatendrang geschenkt, den es brauche, um "in den Gemeinden all das zu bewegen, was bewegt werden muss". Es brauche einfach einen Aufbruch.

"Die Zeit ist reif dafür, dass wir nach dem, was hinter uns liegt, uns jetzt dem zuwenden, was vor uns liegt", erklärte dann auch Martin Klaedtke. Er ist der Koordinator für den Prozess der lokalen Kirchenentwicklung im Bistum Limburg. Nach den Strukturfragen, die das Leben in vielen Pfarreien in den vergangenen Jahren beschäftigt haben, müsse es nun um inhaltliche Fragen gehen. Darum, wie der Glaube heute gelebt und weitergegeben werden kann. Darum, wie das Wort Gottes Menschen neu berührt und darum, wie es mit der Kirche weitergehe. Im Bistum Limburg gebe es viele Menschen und Vieles mehr, auf das man stolz sein könnte. Dies gelte es wieder neu zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen. "Wir brauchen einen Aufbruch und müssen neu denken", sagte Klaedtke. Ein solcher Aufbruch lasse sich jedoch nicht von Limburg aus verordnen. Er lasse sich aber initiieren, unterstützen, vernetzen und dauerhaft im Leben einer Diözese verankern. Genau das, wolle der Prozess der lokalen Kirchenentwicklung. Die Pastoralwerkstatt sei ein motivierender Startschuss gewesen, um sich vor Ort in den Pfarreien auf Spurensuche zu begeben, wie es künftig weitergehen kann.

Vergewisserung, was an Schätzen vorhanden ist

Da es um eine Vergewisserung geht, was an Schätzen, an Charismen, an Glauben überall im Bistum vorhanden ist, war von Beginn an klar, dass der Prozess der Kirchenentwicklung ein geistlich geprägter Prozess sein soll. Es ist ein Prozess, der versucht, den Auftrag, den Kirche hat, für die heutige Zeit neu zu verstehen und dabei die Teilhabe (Partizipation) jedes einzelnen an der Sendung neu zu betonen. "Aufgrund unserer Taufe und Firmung sind wir berufen und haben einen Auftrag in der Kirche", erklärte Martin Klaedtke.

Die lokale Kirchenentwicklung sei ein Wandlungsprozess. Es gehe dabei auch darum, die Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens wahrzunehmen. Das bedeute, mit den Augen eines Menschen darauf zu schauen, der daran glaubt, dass Gott auch heute, in dieser Zeit handelt, dass er in dieser Welt am Werk ist. "Lokale Kirchenentwicklung ist der Blickwinkel, der die Situation versucht zu nehmen, wie sie ist, und der dabei auf die Chancen schaut, die sich dabei für die Botschaft des Evangeliums ergeben, und das loszulassen bereit ist, das sich als nicht mehr fruchtbar herausstellt", so Klaedtke. Ein solcher Blickwinkel falle schwer. Das, was Jahrzehntelang gut funktioniert hat, infrage zu stellen, erscheint als widersinnig. Und dennoch sei es nötig.

Grundhaltungen der lokalen Kirchenentwicklung

Lokale Kirchenentwicklung müsse von daher auch von bestimmten Grundhalten geprägt sein. Es brauche das Vertrauen, dass Gott schon da ist. "Nicht wir müssen Gott zu den Menschen bringen, sondern Gott hat seine Geschichte mit jedem Menschen schon längst begonnen. Das ist ein ziemlicher Unterschied in der Perspektive und im Handeln", sagt der Theologe. Es brauche die grundsätzliche Annahme des Anderen. Sie mache es möglich, das je Eigene einzubringen, sich anzunähern oder auch um im Zweifel Distanz wahren zu können. Lokale Kirchenentwicklung sei auch eng mit der Grundhaltung der Gastfreundschaft verbunden.

Weitere Informationen zum Prozess gibt es im Internet unter www.kirchenentwicklung.bistumlimburg.de. Mehr zum Synodalen Weg im Bistum Limburg erfahren Sie unter www.dioezesanversammlung.bistumlimburg.de. (StS)


Foto