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15.11.2016 – Pressemitteilung Bistum Limburg

Wider den Rechtspopulismus

Stellungnahme der Diözesanversammlung des Bistums Limburg

Die Diözesanversammlung im Bistum Limburg erteilt Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit eine klare Absage: (Symbolbild: Picture Alliance/DPA)

LIMBURG.- Die Diözesanversammlung des Bistums Limburg lehnt Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und jede Instrumentalisierung von Ängsten, die auf Fremdenfeindlichkeit abzielt, entschieden ab: " Als Katholikinnen und Katholiken sehen wir in einer pluralen, multinationalen, auf Toleranz und gegenseitigem Respekt basierenden Gesellschaft keine Gefahr, sondern eine bereichernde Herausforderung. Als Mitglieder einer weltumspannenden Gemeinschaft sind wir gegen Nationalismus und jede Politik der nationalen Abschottung. Ein Deutschland, in dem Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Abstammung, Religion oder ihres Geschlechts abgelehnt oder entwertet werden, darf es nie wieder geben", schreibt die gewählte Vertretung der Katholiken im Bistum Limburg in einer aktuellen Stellungnahme.

Besorgt stellte das Gremium fest, dass spätestens seit den Wahlerfolgen der AfD ausgrenzende oder diskriminierende Positionen wieder gesellschaftsfähig geworden seien. Zudem nehme politisch motivierte Gewalt in Deutschland wieder zu. Daher warne die Diözesanversammlung vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Rechtspopulismus. "Unsere Position fußt auf dem christlichen Menschenbild, dem Grundgesetz und damit der Überzeugung, dass alle Menschen die gleiche Würde haben und dass diese Würde zu schützen ist. Wir können uns nicht auf Gott berufen, wenn wir Menschen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, die geschwisterliche Haltung verweigern: Wer nicht liebt, kennt Gott nicht (vgl.1 Joh 4,8)".

Keine Instrumentalisierung des Christlichen

Der Begriff des "Christlichen" dürfe nicht für politische Zwecke populistisch instrumentalisiert werden. Jede Form einer Diskriminierung in den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person, sei es wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der gesellschaftlichen Stellung, der Sprache oder der Religion müsse überwunden und beseitigt werden, da dies dem Plan Gottes widerspreche.

Die Diözesanversammlung setzt sich dafür ein, dass gesellschaftliche und politische Fragen in einem offenen, respektvollen Klima besprochen werden. Die Hilfe für Menschen in Not sei für Christen keine Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit. "Komplexe Fragenstellungen können nicht mit diskriminierenden Parolen beantwortet werden. Es bedarf einer offenen, konstruktiven Debatte unter Wahrung des Respekts gegenüber allen Beteiligten. Dazu gehört für die Diözesanversammlung auch, dass Andersdenkende, Politikerinnen und Politiker sowie Medienschaffende nicht zu Feinden stilisiert und bedroht werden. Wir fordern, dass man miteinander im Gespräch bleibt, um gemeinsam Lösungen zu finden", heißt es in der Stellungnahme.

Rechtspopulismus sei mit dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und dem Grundrecht der Menschenwürde nicht vereinbar. Die Rechtspopulisten schürten Neid und Missgunst, indem sie die Ärmsten der Armen unserer Welt verunglimpfen und die Ursachen für soziale Probleme in Deutschland auf diese Gruppe projizierten. Gleichwohl müssten Sorgen und Verunsicherungen in der Bevölkerung ernstgenommen werden. "Befürchtungen von Menschen in tatsächlich prekären Lebenslagen nehmen wir gerade dadurch ernst, indem wir ökonomischen Entsolidarisierungstendenzen in unserer Gesellschaft prinzipiell entgegenwirken und uns für eine gerechtere und transparente Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme einsetzen. Entsprechend fordert die Diözesanversammlung eine Politik, die sich nicht von einem möglichen Verlust von Wählerstimmen ins Wanken bringen lässt, sondern die sich der verschiedenen Problemfelder und ihrer Ursachen ernsthaft und ganzheitlich annimmt. Dazu gehört auch, die Augen nicht vor den Problemen der Welt zu verschließen", so die Diözesanversammlung.

Weltpolitische Verantwortung wahrnehmen

Das Gremium begrüßt die Aussagen von Bischof Georg Bätzing für eine weltpolitische Verantwortung staatlichen Handelns. Daher sollen Bezirke und Pfarreien im Bistum bestärkt werden, den notwendigen Dialog vor Ort zu führen und sich so für eine offene, pluralistische und freie Gesellschaft und damit gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung einzusetzen. "Wir fordern faktenbasierte und lösungsorientierte Debatten in der Gesellschaft, der Politik und der Kirche über die sozialen Herausforderungen in unserem Land. Wir sind davon überzeugt, dass wir diese Herausforderung mit Gottes Hilfe gemeinsam bewältigen können", erklärt die Diözesanversammlung.


Die Mandatsträger hatten sich am Samstag, 12. November, im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod intensiv mit dem Thema Rechtspopulismus befasst. Dr. Daniela Kalscheuer, Studienleiterin Interkulturelles und Zeitgeschichte in der Katholische Akademie Rabanus Maurus im Haus am Dom in Frankfurt, zeigte unter anderem Definitionen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus, Rechtspopulismus, völkischen Nationalismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf. (StS)