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Unterwegs im Namen des Herrn

Unterwegs im Namen des Herrn
Unterwegs im Namen des Herrn
© Bild: Factum/ADP in: Pfarrbriefservice.de

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr schreitet voran und Termine kommen und gehen. Ich habe mich in diesem Jahr – lange ersehnt – wieder einmal mit meiner Heimatpfarrei aufs Zeltlager begeben können. Eine spannende Zeit: Dort erlebt man einander noch einmal ganz anders als etwa in zweistündigen Sitzungen – und man kann seine Schwächen nicht so gut verstecken wie bei lange geprobten Auftritten, etwa in einem Chor, oder wie bei einer Podiumsdiskussion, wo man auch mit Floskeln weiterkommt.

Gerade diese Authentizität ist es aber, die uns oft fehlt, dieses sich ganz hinein begeben in eine Erfahrung. Zu oft nehmen wir unsere Mitmenschen nur in einer Rolle wahr, die ganze Person mit ihren Verwundungen bleibt oft im Hintergrund. Wäre es nicht gut, wenn unsere Hauptamtlichen wieder mehr Zeit dafür hätten, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, oder noch besser, wenn sie sich diese Zeit einfach nähmen? Solche Erfahrungen sind auch eine gute Grundlage für den guten Umgang miteinander im schnelllebigen Alltag und zahlen sich oft aus. Auch Sie sind eingeladen, wenn Sie es nicht sowieso tun, sich mal wieder für ein Wochenende ganz auf eine kirchliche Veranstaltung zu begeben.

Natürlich hatte ich in den letzten Wochen auch andere Termine im Namen des Herrn, die meisten davon hatten mit dem Ökumenischen Kirchentag 2021 (ÖKT) zu tun, der seine Schatten immer mehr vorauswirft. Wie man hört, liegen erste Themen schon fest, und ich bin gespannt, wie sie wirken werden. Der ÖKT kann ein Aufbruch sein für ein neues Wirken  der Kirchen in der Gesellschaft. Unsere Botschaft hat einen Kern, der auch heute noch gut für die Menschen ist - und ja, ich bin überzeugt davon, dass die Botschaft Jesu einen Mehrwert birgt, auch in einer Gesellschaft, die sich Dank ihrer Verfassung um die Schwachen sorgt.
Wir vom Präsidium saßen also kürzlich mit dem Kirchensynodalvorstand der EKHN zusammen und waren uns einig, dass wir gemeinsam zu einem gelungenen ÖKT beitragen wollen. Ich denke, die Kirchen müssen nach außen hin als Teile eines Mosaiks erkennbar sein, verschiedene Steine und Steinchen, die Christus in der Gesellschaft repräsentieren. Wenn man immer wieder neu hört, was der Geist uns sagt, kann es das Leben in Fülle geben, von dem die Bibel spricht, und dass der Glaube trägt, erfahren nicht nur "Profis" wie Nonnen und Mönche, sondern auch viele andere, die "draußen" ihren Mann oder ihre Frau stehen. Sich in einer guten Gemeinschaft aufgehoben zu wissen, trägt, gleich ob es eine Gemeinde oder ein Kloster ist, in dem man sich zu Hause fühlt - das Leid bei Christus aufgehoben zu wissen, trägt ebenso.

Das Motto des ÖKT 2003 lautete: "Ihr sollt ein Segen sein!" Da ist zu allererst die Sorge für die Armen zu nennen, aber es gibt viel mehr als das. Mit Blick auf "fridays for future" und andere Erscheinungen der Jugendkultur frage ich mich, wo es uns heute noch gelingt, diesen Anspruch gerade den jungen Leuten gegenüber deutlich zu machen. Diese wollen oft (wieder) selbst ein Segen für andere sein, wenn sie sich gegen den Klimawandel oder für ein vereintes Europa einsetzen. Die 72-Stundenaktion hat dies ebenfalls eindrücklich unter Beweis gestellt.

Es wird höchste Zeit, dass wir nach dem gemeinsamen mit der Jugend suchen und wieder erkennbar wird, dass wir alle zusammen für uns und andere ein Segen sein können, mit Gottes Hilfe.

Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!
Ihr
Andreas Feldmar