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Schaut hin

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© ÖKT

Liebe Leserinnen und Leser,

die Amtszeit der Diözesanversammlung neigt sich dem Ende entgegen und in der letzten Sitzung wird Rückschau gehalten werden auf vier bewegte Jahre. Bei der letzten Konstituierung stand noch nicht fest, wer oder wie unser neuer Bischof sein würde und man konnte sich fragen, ob die Stimmung im Bistum jemals wieder gut werden würde. Heute sieht man ein wenig klarer, die Zusammenarbeit mit Bischof Georg in den Gremien beispielsweise ist als gut zu bezeichnen, wiewohl die notwendige Aufarbeitung der MHG-Studie immer noch ein Fragezeichen zurücklässt, solange diese nicht nachhaltige Ergebnisse gezeitigt hat.

Dennoch: In den letzten vier Jahren hat die Diözesanversammlung klar Stellung bezogen gegen Rechtspopulismus und für die Bewahrung der Schöpfung, sich ein Bild gemacht von den intensiven Bemühungen im Bistum Limburg um die Inklusion von Menschen mit Behinderung und zuletzt auch mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche sowie der Frage, wie die Stimme möglichst vieler Gläubiger einfließen kann in die Entscheidungsfindung der synodalen und kurialen Gremien, befasst.

Ich finde, es ist ein Fortschritt erkennbar darin, dass die kirchlichen Amtsträger darum bemüht sind, möglichst mit vielen Menschen in einen Austausch zu kommen. Als aktuellen Höhepunkt empfinde ich den "synodalen Weg" der Kirche in Deutschland. Es ist dabei aber auch deutlich geworden, dass nicht alle Bischöfe mit den Texten aus Lumen gentium konform gehen, die auch den Laien eine Rolle bei der Suche nach dem richtigen Weg für die Kirche ermöglichen. (Vgl. LG 33)
In LG 32 wird Augustinus zitiert mit: "Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin." Manche Bischöfe sind offenbar eher erschrocken, was sie mit uns sind und trösten sich mit dem, was sie für uns sind.
Unser Bischof jedenfalls gibt der Beratung Raum und dies auch bei "heißen" Themen wie den Segensfeiern für Paare, die nicht katholisch heiraten können. Es bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse für die Kirche von Limburg und darüber hinaus fruchtbar gemacht werden können. Leider ist noch nicht erkennbar, dass die Weltkirche Mut zu neuen Wegen hat.

Wenn man die weite Welt nicht verändern kann, bleibt die Frage, was man vor Ort tun kann. So stehen nun in den Bezirken des Bistums Wahlen an. Auch hier rufe ich auf: Übernehmen Sie Verantwortung! Es ist in jedem Falle wichtig, den Politikerinnen und Politikern, etwa im Landkreis, ein kritisches und konstruktives Gegenüber zu sein. Auch der Austausch untereinander ist nach meiner Erfahrung ein nicht zu unterschätzender Vorteil – wenigstens, wenn die Anzahl der vertretenen Pfarreien hinreichend groß ist. Es ist dabei kein Geheimnis, dass einige Bezirkszuschnitte überkommen sind. Ich hoffe, dass es bis zur nächsten PGR-Wahl gelingen wird, hier zu einer guten Lösung zu kommen. Wenn eine Bezirksversammlung nur eine Handvoll gewählter Mitglieder hat, ist sie mehr oder weniger obsolet. Ich bin davon überzeugt, dass wir flexible Lösungen für die mittlere Ebene brauchen. Die Frankfurter Stadtversammlung mit ihren ca. 50 Mitgliedern steht als Beispiel für eine gelungene Lösung, ich möchte sie nicht missen.

Der vielfältige Wandel wird nun auch zum verpflichtenden Thema für unsere Hauptamtlichen. Ich schaue mit Hoffnung auf die Idee, dass sie (bzw. Sie) alle in einer verbindlichen Weise gemeinsam überlegen, wie sie dem Wandel – sprich "change" - begegnen. Die Idee, sich damit "verbindlich" auseinandersetzen zu müssen, mutet in einer Kirche, die die Freiheit des Gewissens predigt, seltsam an, aber dass wir nunmehr auf allen Ebenen mit einem großen Wandlungsprozess konfrontiert sind, lässt sich kaum von der Hand weisen.
Der Kirchenentwicklungsprozess unter dem Leitwort "Mehr als du siehst" läuft bei alledem im Hintergrund. Ich hoffe, dass es uns gelingt, dieses "mehr" zu entdecken.

Ein Baustein hierfür könnte der ÖKT werden. Die Geschäftstelle ist nunmehr eröffnet (zum Artikel) und Gemeinden können sich bewerben (hier), wenn bzw. wie sie sich aktiv einbringen wollen, wenn Christen und Christinnen aus ganz Deutschland in Frankfurt zu Besuch sein werden, sei es beim Abend der Begegnung oder im Rahmen des kulturellen Teils des ÖKT-Programms. Und auch die einzelnen werden gebraucht werden, um die vielen notwendigen Dienste zu übernehmen, sei es als Wegweiser in der Stadt oder als Teil des Betreuungsteams einer Übernachtungsstelle in einer Schule.(hier)

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit – im Fasching und in der folgenden Fastenzeit.

Herzlichst
Ihr
Andreas Feldmar