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Religionslehrer als Brückenbauer

News aus der 12. Amtszeit
Religionslehrer als Brückenbauer
Religionslehrer als Brückenbauer
© Bistum Limburg

WIESBADEN/Limburg.  Der zunehmende Trend zur Ganztagsschule eröffnet neue Dimensionen für kirchliche Angebote im Lebensraum Schule. Das hat der Dezernent für Schule und Bildung im Bistum Limburg, Andreas von Erdmann, auf der jüngsten Sitzung der Diözesanversammlung vorgetragen, die sich mit dem Thema „Kirche und Schule“ beschäftigte. In der Vernetzung mit der Kirche vor Ort sehe er ausgezeichnete Möglichkeiten, dass Kinder und Jugendliche im Rahmen dieser Angebote Orientierung für ihr Leben fänden und zu mündigen Bürgern mit der Bereitschaft für gesellschaftliches Engagement aufwachsen könnten, sagte von Erdmann am Donnerstag, 17. Juli, in Wiesbaden-Naurod. Zuvor hatte die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, das „aufrichtige Bemühen um Aufarbeitung“ im Bistum gewürdigt und die aufmerksame Begleitung dieses Prozesses durch die Gremien zugesichert.

Lebendigkeit gelebter Religiosität

Positiv bewertete von Erdmann auch die methodisch-didaktische Entwicklung zu mehr Handlungs- und Kompetenzorientierung. Das eröffne einem mystagogisch verstandenen Religionsunterricht große Spielräume, bei dem die Lebendigkeit gelebter Religiosität zur Sprache komme. Als Chance und Herausforderung bezeichnete er die zunehmende Heterogenität der Schüler, wobei er den bekenntnisgebundenen Religionsunterricht als Regelform unterstrich. Rund 60 Prozent der katholischen Schüler erhielten in Hessen katholischen Religionsunterricht, sagte er. Die Abdeckung an Grundschulen und Gymnasien sei gut, an Real- und Hauptschulen erheblich schlechter und an Berufs- und Förderschulen „katastrophal“. Mit deutlichen Worten kritisierte von Erdmann, dass weiterhin in Hessen eine verlässliche statistische Erhebung zum Religionsunterricht fehle.

Netzwerk zwischen Schule und Pfarrei

Ein engagiertes Plädoyer für ein „Beziehungsgeflecht“ von Religion an der Schule und den Pfarreien neuen Typs hielt die Theologin Dr. Barbara Wieland. Selbst wenn diese Beziehung zwischenzeitlich abbreche, müsse die Verankerung so fest sein, dass sie bei bedeutenden Lebensereignissen wieder aufgegriffen werden könne: „Dass man einfach weiß, wo man hingehen kann.“ Knotenpunkte dafür seien Menschen, „die für etwas stehen“. In diesem Sinne könnten Religionslehrer zu Brückenbauern werden. Bei der Netzwerkbildung zwischen Schule und Pfarrei gehe es nicht um ein Rekrutierungsverhältnis, betonte Dr. Wieland, sondern um die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation. Auf die schulnahe Jugendarbeit als gute Ergänzung kirchlichen Engagements im System Schule wies Dr. Beate Gilles vom Dezernat Kinder, Jugend & Familie hin. In den vergangenen vier Jahren habe man mit dem Angebot von Tagen der Orientierung und Schulgemeinschaftsseminaren sehr fruchtbare Erfahrungen gemacht, sagte sie.

Hotline für haupt- und ehrenamtlich Engagierte

In ihren Bericht zum aktuellen Stand der Aufarbeitung der Geschehnisse im Bistum kündigte die Präsidentin der Diözesanversammlung eine Hotline für haupt- und ehrenamtlich Engagierte an, die über ihre persönlichen Negativerfahrungen aus der Amtszeit des emeritierten Bischofs sprechen wollen. In den Monaten September bis November wird es feste Telefonzeiten für seelsorgliche Gespräche geben. Diese Hotline wird von den Teams des Refugiums Hofheim für Mitarbeitende in Pastoral und Caritas und federführend des Instituts für Geistliche Begleitung in Mainz personell ausgestattet. Eine anonymisierte Auswertung, so Schillai, soll es ermöglichen, „dass die Diözese aus dem lernt, was Betroffene berichten“.

Domkapitel wieder Vertrauen schenken

Sie sehe das Bistum „wieder auf einem guten Weg“, würde aber nach wie vor gerne über die Ziele der Aufarbeitungsmaßnahmen ins Gespräch kommen. Ausdrücklich zollte sie dem Domkapitel Respekt für seine im Juni veröffentlichte Erklärung, die einen Maßstab setze für die Auseinandersetzung der Verantwortungsträger mit dem Geschehenen. Sie sei der Meinung, dass man einem Gremium, „dessen Mitglieder ihre Fehler offen und ungeschönt benennen und die Diözese um Vergebung für ihr Versagen bitten, wieder Vertrauen schenken sollte.“ (rei)