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Katholisch erlöst statt katholisch griesgrämig
Katholisch erlöst statt katholisch griesgrämig
© Bistum Limburg

Katholisch erlöst statt katholisch griesgrämig

News aus der 12. Amtszeit

Er soll lebensklug und authentisch sein, nicht lügen, die Menschen lieben, glaubhaft verkündigen und dienen wollen, statt zu herrschen - Mitglieder der Diözesanversammlung haben bei ihrer Sitzung im Wilhelm-Kempf-Haus am Samstag, 30. Mai, ihre Wünsche für das Profil eines neuen Diözesanbischofs gesammelt. Dass die Vorstellungen der gewählten Laien beim Domkapitel durchaus gefragt sind, bestätigte ihnen Domdekan Dr. Günther Geis: "Sie kennen das Bistum", bescheinigte er den Anwesenden und sicherte ihnen "eine nicht geringe Möglichkeit" zu, auf die Meinungsbildung im Vorfeld Einfluss nehmen zu können. Auch die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, hatte zu Beginn der Sitzung in ihrem Bericht die Notwendigkeit unterstrichen, dass die synodalen Gremien gerade aus den Erfahrungen dieser Amtszeit heraus ihre Erwartungen formulierten.

Gemeindeleitung ohne Pfarrer

In einer Umbruchsituation sieht die Präsidentin die Kirche auch unabhängig von der derzeitigen Vakanz. "Wir stehen mitten drin in großen Herausforderungen", sagte sie, bedingt durch gesellschaftlichen und demographischen Wandel ebenso wie durch den Glaubwürdigkeitsverlust. Es brauche positive Gestaltungsvorschläge, wie kirchliches Lebens unter veränderten Strukturen erhalten und weiterentwickelt werden könne. Darauf hatte Markus Konkolewski aus dem Bistum Magdeburg eine Reihe von ungewöhnlichen Antworten im Gepäck. "Gemeindeleitung ohne kanonischen Pfarrer ist machbar", sagte der Gastredner, der, von Haus aus Sozialarbeiter, im Bischöflichen Ordinariat Magdeburg den Prozessbereich Kommunikation leitet. In Bad Liebenwerda, einem großflächigen, sehr dünn besiedelten Gebiet, in dem die Katholiken die absolute Minderheit darstellen, wird derzeit in sechs Gemeinden ein neues Gemeindemodell mit einem Leitungsteam umgesetzt, mit dabei ein Claretinerpater und Ehrenamtliche.

Eigentlich eine tolle Zeit

"Das ist kein Experiment, sondern ein neuer Weg", betonte Konkolewski, der das Positive an der aus der Not heraus entstandenen Lösung hervorhob: "Kirchenentwicklung ist gestaltbar", sagte er und nannte es ein "absolutes Hoffnungszeichen", dass Menschen dort vor Ort Verantwortung übernähmen. So gesehen sei es "eigentlich eine tolle Zeit", meinte er und plädierte gut gelaunt dafür, gemeinsam mit Spaß was für die Menschen zu machen, "katholisch erlöst statt katholisch griesgrämig". Die Kirche verändere sich, die Menschen veränderten sich, aber der Glaube versiege nicht, er drücke sich nur anders aus. "Wir müssen endlich wieder eine Kirche mit einer Vision sei", sagte er, und missionarisch wirken in einer Umgebung, in der 80 Prozent der Mitmenschen keine Bezug mehr hätten zu irgendwelchen Glaubensinhalten.

Gemeinsames Priestertum aller Gläubigen

Als wesentliche Voraussetzung für diesen Prozess nannte Konkolewski die Entdeckung der Tauf- und Firmberufung jedes einzelnen Gläubigen sowie die stärkere Gestaltung des Dienstcharakters des Weiheamtes. Daran konnte der zweite Gastredner anknüpfen, Regens Dr. Christof Strüder, der die Zulassungsbedingungen zum Weiheamt darstellte. Gemeindeleitung sei Aufgabe des Priesters, der dafür vom Bischof eingesetzt werde und "nicht selbst ernannt sei", aber es gelte gleichzeitig, den Dienst der Laien auf ein vernünftiges Fundament zu stellen. An vielen Punkten könne etwas verändert werden, um das "gemeinsame Priestertum aller Gläubigen" deutlicher zu machen.

Pfarrer ist kein Alleinherrscher

Auf über 40 Jahre Synodalordnung im Bistum Limburg bezog sich in der anschließenden Diskussion Ingeborg Schillai, die provozierend fragte: "Haben die Pfarrer eigentlich verstanden, was das heißt, mit dem Pfarrgemeinderat zusammen zu arbeiten?" Das sei inzwischen eine lebenswichtige Frage geworden, der Pfarrer sei kein Alleinherrscher. Dass diese wiederum ihrerseits durch allzuviele Manageraufgaben belastet seien, wurde von Beatrix Schlausch, der ehemaligen Präsidentin, beklagt: "Wir verschleißen unsere Pfarrer", sagte sie: "Wie gehen wir eigentlich mit unseren Leuten um." Die Priester, die eigentlich mal Seelsorger hätten werden wollen, seien dadurch viel zu schnell ausgebrannt. Eine lebhafte Diskussion entspann sich auch über die Frage, inwieweit die Zulassungsbedingungen zum Weiheamt geändert werden sollten. Es wurde mehrheitlich dafür votiert, sich mit dieser Frage weiter eingehend zu beschäftigen. (rei)