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Hoffnung in schweren Zeiten?!

Hoffnung in schweren Zeiten?!
Hoffnung in schweren Zeiten?!
© pixabay

Liebe Leserinnen und Leser,

die Zeiten sind schwierig geworden auf eine Weise, wie sie seit der Spanischen Grippe niemand mehr kennt. Unsere Reaktion darauf – alle bleiben zu Hause – ist seit Menschengedenken nicht angewendet worden, und dass alle Kirchen schließen, hat man hier zu Lande auch noch nicht erlebt.
Und doch war es notwendig, zunächst sehr drastische Maßnahmen zu ergreifen, um Katastrophen wie in Italien zu vermeiden: Jesus verkündete das anbrechende Reich Gottes auch für die Erde – wir sollen die Erde zu einem Ort machen, an dem man gut miteinander umgeht und nicht nur den jenseitigen Himmel gewinnen. Wir sollen also gerade nicht den Tod vieler Menschen in Kauf nehmen, damit es uns im Jenseits gut geht. 
Wenn wir das tun, müssen wir aber damit leben, dass vieles, was die Kirche von Limburg ausgemacht hat, zurzeit brach liegt: Kirchen sind leer, Hochfeste und auch der Weiße Sonntag können nicht wie gewohnt begangen werden und die synodalen Gremien können ebenfalls nicht wie gewohnt tagen.

Für die synodalen Gremien ist das Versammlungsverbot, wie auch für die Vereine in ähnlicher Lage, eine kleine Katastrophe. Die Leitung der Pfarrei wird so sehr stark auf die Geweihten und Hauptamtlichen geworfen, was manche kreative und praxisnahe Idee verhindern dürfte. Umso misslicher, dass es uns mitten in der Konstituierungsphase nach den Wahlen erwischt hat. Nicht in allen Bezirken sind die Bezirkssynodalräte oder -Versammlungen bereits zusammengetreten. Es hilft, dass die Amtszeit der alten Gremien nun automatisch verlängert ist, aber so mancher hat doch schon lange mit dem Amt abgeschlossen.
Und während kleine Bezirksversammlungen durchaus auch auf eine Video- oder Telefonkonferenz zurückgreifen könnten, steht die nächste Sitzung der Diözesanversammlung in den Sternen – ca. 80 Menschen in einem Raum könnten noch lange eine Utopie sein. Besonders kritisch ist es mit Blick auf die älteren Mitglieder gerade auch der Diözesanversammlung. Eine Sorge, die uns wohl noch eine Weile begleiten wird.

Wenn ich ein Jahr in die Zukunft sehe, frage ich mich schon, wie die Kirche dann aussehen wird. Bleibt uns nur das private Gebet?

Doch es gibt in diesen Tagen viel Erfreuliches. So sind beispielsweise viele Menschen freudig online in Gottesdiensten gewesen, die sie sonst nie besucht hätten. Ganz konkret denke ich da an einen Kindergottesdienst und die Osternacht im Limburger Dom, bei denen ich mit wesentlich mehr Leuten "teilgenommen habe", als das physisch zu erwarten oder möglich gewesen wäre. Sollte man das nicht ausbauen für die Zukunft: Gottesdienste im Internet zu übertragen, die liebevoll vorbereitet wurden?
Natürlich werden viele lieber analog teilnehmen – und man sollte sicherstellen, dass nur die im Bild sind, die das auch wollen – aber die Familie mit dem kranken (oder rebellischen) Kind beispielsweise kann so als Ganze teilhaben und wäre sonst vielleicht zu Hause geblieben. Und natürlich ist es auch für andere Gruppen, die nicht in die Kirche kommen können, z.B. Ältere oder Kranke auf Dauer sicher attraktiver, den eigenen Bischof oder Pfarrer regelmäßig in der Messe zu erleben als jedes Mal jemand anderen.
Dennoch: Ich mache mir Sorgen, dass diejenigen, die nun "aus dem Rhythmus sind", auch nicht mehr in denselben hineinfinden. Viele werden sicher nicht "abtrünnig", wenn sie bisher treu sonntags zur Kirche gingen, aber so mancher könnte die ruhige Runde zu Hause am Sonntagmorgen mit Brötchen schätzen gelernt haben.
(Das mit den Brötchen ist übrigens mein Lieblingsargument für Gottesdienste am Sonntagabend sowie für die Staffelung 10 Uhr/11.30 Uhr statt 9.30 Uhr/11 Uhr für zwei Gottesdienste am Morgen… aber das nur am Rande)

Ich hoffe, Sie gehen vor Ort kreativ mit der Lage um, gerade auch, wenn analoge Sitzungen noch länger verboten bleiben. Außerdem wünsche ich Ihnen, dass Sie manche neue Form finden, die Zukunft hat. Zuletzt wünsche ich Ihnen eine - wenigstens geistlich - erfüllende Osterzeit 2020 und uns allen eine feierliche Osternacht in gewohnter Weise im nächsten Jahr.

Möge Gott es walten und bei uns sein in schweren Zeiten!